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Warten auf die Prüfung

Wednesday, January 6th, 2010

Weihnachten und Neujahr sind nicht gerade förderlich, wenn man auf einen Prüfungstermin wartet. Der Prüfer ist noch bis Morgen im Urlaub, für das Wochenende ist Schneechaos vorhergesagt, also mal schauen wie lange es noch dauert, bis ein möglicher Termin steht.

Wenigstens konnte ich heute wieder fliegen, aus dem geplanten kleinen Überlandausflug EDDV – EDVH – NIE VOR – EDDV wurde allerdings nichts:

METAR EDDV 060750Z 08007KT 8000 BKN013 M10/M12 Q1003 NOSIG=

8km Sicht wären gerade ausreichend, aber fast geschlossene Wolken in 1300 ft. reichen leider nicht – für Überlandflüge sind mindestens 2000 vorgeschrieben.

Also blieben nur Platzrunden – im Schnee. Nebenbei fanden noch Messflüge auf der Südbahn 09R statt, die den kompletten Linienverkehr auch auf die – normalerweise hauptsächlich von der allgemeinen Luftfahrt benutzte – Nordbahn 09L  zwangen. Die Folge war vergleichsweise viel Verkehr, unkonventionelle Rollanweisungen (”bitte geradeaus weiter auf Lima, den nachfolgenden Verkehr durchlassen, umdrehen und dann weiter via Golf und Kilo” – der “nachfolgende Verkehr” war ein Airbus…) und fast ausschließlich verkürzte Platzrunden mit kaum Gegenanflug.

Minus 10 Grad – die Steigleistung der D-EDEW (Delta-Echo-Delta-Echo-Wiskey) war dementsprechend großartig (1000 ft./min bei 80 kt.) und 1600 – 1800 U/min. reichten locker zum Halten der Platzrundenhöhe.

Zwischendurch wurden wir – bedingt durch Linienverkehr – zum Warten nördlich des Platzes “geparkt” (auf vorgegebenen Kursen und Höhen fliegen, bis der Lotse einen zum Platz zurückholt). Das gab uns die Gelegenheit, die verschneite Landschaft zu genießen – und den Autopiloten zu benutzen, das einzige Avionikgerät, das ich bisher noch nicht kannte. In der Ausbildung soll gefälligst selbst geflogen werden. :-)

Nach einer  Stunde, 8 Platzrunden (davon 5 Landungen und 3x durchstarten) mit diversen Klappenstellungen und einigen Airwork – Elementen war auch dieser Flugtag wieder vorüber.


Fazit: Fliegen im Winter ist schön. Sehr gute Motorleistung, keine Thermik, eine schöne Aussicht und (normalerweise) wenig Verkehr machen Spaß. Allerdings ändert sich die Höhenwahrnehmung – man fliegt leicht zu tief ohne es zu merken – und das Flugzeug gleitet (auf Grund der höheren Luftdichte) viel länger bei der Landung.

Schnee – Flug

Saturday, December 19th, 2009

METAR EDDV 190950Z 27001KT CAVOK M15/M16 Q1010 NOSIG=

Hannover, 19.12.2009 10:50: kein nennenswerter Wind (270 Grad/1 Knoten), keine Wolken in für mich relevanten Höhen, Sicht >10km, -15 Grad… oder kurz zusammengefasst: Bestes Winterflugwetter.

Ich hoffe immernoch auf eine Prüfung noch dieses Jahr, aber um nicht aus der Übung  zu kommen (und dieses Wetter nicht völlig ungenutzt zu lassen), wurde heute früh kurzfristig mit der Flugschule ein Flug angesetzt.

Nur ein kurzer, das war klar, denn mein Lehrer war für den Nachmittag für einen Charterflug eingeplant – und Solo geht leider nur, wenn er auch in der Flugschule ist.

Letztendlich haben wir den Flug auf ein paar Solo-Platzrunden zusammengestrichen, aber die waren ein Erlebnis:

Steigen mit der besten Steiggeschwindigkeit von 80 Knoten – normalerweise bedeutet das: Platzrundenhöhe (1200 ft. in Hannover) beim Eindrehen in den Gegenanflug oder kurz danach. Bei minus 15 Grad war die Höhe allerdings schon im Querabflug erreicht.

Auch der Gegenanflug (90 Knoten, Höhe halten) stellte sich nicht wie gewohnt dar: Braucht es normalerweise um die 2000 Umdrehungen um die Höhe zu halten, durften es heute nicht mehr als 1600 sein – sonst stieg die Echo-Wiskey weiter.

Auf Schwellenhöhe 10° Landeklappen, nachtrimmen, Leistung reduzieren… jetzt sollte es eigentlich runter gehen. Eigentlich – denn heute wollte sie kaum runter. Mit 20° Klappen und eine ein ganz gutes Stück hinter der Landeschwelle setzte ich auf. Normalerweise ist um die 40 Knoten Schluss mit Auftrieb – der letzte Wert, den ich heute gesehen habe, lag unter 30.

Der Ausblick muss bei diesem Wetter grandios gewesen sein – leider hatte ich in der Platzrunde keine Zeit, das zu beurteilen.

Fazit: Fliegen im Winter macht Spaß!

Keine Thermik, optimale Flugleistung und – komischerweise –  sehr wenig VFR-Verkehr, aber es erfordert auch besondere Vorsicht am Boden, sehr langsames Rollen bei höheren Stand- und Rolldrehzahlen, um Motor- und Öltemperatur überhaupt in den grünen Bereich zu bekommen und Kleinigkeiten, die man häufig nicht bedenkt: Kugelschreiber (zum Pflegen des Flightlog, Aufschreiben von Rollanweisungen und Start-/Landezeiten) verweigern bei diesen Temperaturen oft anfangs den Dienst.

Wichtig, vor allem beim Rollen, ist der sehr vorsichtige Umgang mit den Bremsen. Ein UL – Flugzeug, das gerade landete, als wir auf die Aushallung der Echo-Wiskey warteten, rutschte (nach zügigem Rollen) kurzerhand auf dem Vorfeld weg. Glücklicherweise nicht auf das Follow-Me oder in das wenige Meter entfernte Tor einer Werfthalle, sondern auf ein Stück verschneiten Rasen. Der Pilot kam so noch mit dem Schrecken davon und konnte aus eigener Kraft zurück auf den Vorfeldasphalt und zu seinem Parkplatz rollen.


PS: Auch wenn der Titel anderes vermitteln mag – ein Flugzeug ist selbstverständlich kein Schneepflug und sollte es als solcher eingesetzt werden, danach vermutlich nicht mehr flugtauglich :-)

Rückblick: PPL Ausbildung (Teil 1)

Sunday, December 13th, 2009

Das war’s also…

Vor mehr als 13 Monaten beschloss ich aus einer Wochenendlaune heraus, mich mit dem Thema “Pilotenschein” auseinanderzusetzen (dazu bei Gelegenheit vielleicht mehr).

Nach einem halben Jahr theoretischer Ausbildung, 60 Flugstunden und über 200 Landungen hat mein Lehrer keine Lust mehr, weiter mit mir zu fliegen. Übersetzt heißt das: Prüfungsreif!

Aber der Reihe nach…

24.5.2009 9:48 UTC

Nach einigen Rollübungen – endlich der erste Start. Die Theorie ist fast geschafft, das Wetter spielt auch mit und es geht los. D-EOJT (Delta-Echo-Oskar-Juliett-Tango), eine alte Cessna 150 mit mehr Landungen als mancher Berufspilot ist “mein” erstes Flugzeug. Klar gehört sie der Flugschule, aber sie wird mich durch die halbe Ausbildung bringen.

Nach den obligatorischen Einweisungsflügen, Airwork und Langsamflug (als Vorbereitung auf die Landung) geht es in die Tretmühle: Platzrunden.

Die Platzrunde

Vollgas, Drehzahl- und Geschwindigkeits-Checks, Rotieren (Abheben) bei 60, Steigen mit 80, in 500 ft. über Grund After-Takeoff-Checkliste, Luftraum-Check, abdrehen, kurz vor 1200 ft. MSL Level-Off, in den Gegenanflug drehen (die Reihenfolge der letzten Beiden ist natürlich wetterabhängig), einen kleinen Moment verschnaufen, Blick zur Piste, Geschwindigkeit kontrollieren, Vergaservorwärmung warm, Klappen 10″, 90 MPH trimmen, Position an Tower funken, Landefreigabe bestätigen, Queranflug, 20″ Klappen, gegentrimmen, 80 MPH, ein Auge auf Fahrtmesser, eines auf der Landebahnschwelle, eindrehen in Endanflug, Final-Checkliste vergessen, ggf. 30″ Klappen, 70 MPH halten, Abfangen, Aufsetzen, Klappen rein, Vergaservorwärmung kalt, Vollgas, das Ganze wieder von Vorne.

Das Training am Verkehrsflughafen hat Vor- und Nachteile: Eine unendlich lange und breite Bahn (3,8km für ein Flugzeug, das mit weniger als 500m zufrieden ist) bietet sehr großzügige Toleranzen, aber im heiligen kontrollierten Luftraum muss alles – einschließlich Funkverkehr – passen und da der Tower einen immer je nach Verkehrslage den Anflug verkürzen oder verlängern lässt oder eine andere Bahn zuweist, sind Hilfsmittel wie “am dritten Baum von links in den Gegenanflug” nicht möglich.

Damit werden die Platzrunden zum Kaugummiteil der Ausbildung. In dieser Phase traten tatsächlich “nicht-schonwieder-Gedanken” auf, wenn es an den nächsten Flugtermin ging.

Nach fast 20 Flugstunden und 114 Landungen war der erste Abschnitt geschafft:

Progress Check 1

Am 7.8.2009 war es soweit: Der erste Checkflug. Es sollten 5 Landungen in 50 Minuten werden, in denen sich mein “Kein-Problem”-Gefühl zu einem “Du-brauchst-noch-100-Stunden”-Gefühl änderte. Progress Check bedeutet: Anderer Lehrer checkt die Flugleistung, aber in diesem Fall einer, der mit der erlernten Platzrunde gar nicht einverstanden war. Jeder einzelne Schritt wurde kritisiert und sollte anders gemacht werden – zumindest kam es mir so vor.


Um so größer war die Überraschung, als ich dann doch “Solo” los durfte: 3 Platzrunden ohne Lehrer! Ein Gefühl, das sich nicht beschreiben lässt.