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Rückblick: PPL Ausbildung (Teil 2)

Sunday, December 13th, 2009

Tschüss Hannover

Die neu erworbene Soloberechtigung muss natürlich erstmal ausgiebig genutzt werden – laut Ausbildungsplan ca. 1,5 Stunden in der Platzrunde des Heimatflughafens, aber dann locken andere Plätze.

Peine und Hildesheim bieten sich von Hannover aus an – beide Plätze haben eine (für nicht-Verkehrsflughäfen) relativ lange Landebahn, allerdings auch nicht die gewohnte 5-Minuten-Platzrunde. Anstatt Landeübungen zu machen, fliegt man bis zu 15 Minuten durch die Gegend um wieder aufsetzen zu können.

Jetzt aber wirklich

Von Hannover aus Peine oder Hildesheim zu verfehlen, ist fast unmöglich. Entweder die A7 nach Hildesheim oder die Eisenbahn von Echo-1 nach Norden führen einen in wenigen Minuten zum Platz.

Viel aufregender war dagegen der erste wirkliche Überland – Flug: Am 7.9.2009 ging es eine Stunde durch Norddeutschland. Immer noch mit der July-Tango, die über keinerlei Navigationshilfen verfügt (den klassischen Kompass ausgenommen). Trotzdem haben wir alles gefunden und sind heile nach Hannover zurückgekehrt.

Bye Bye July-Tango, Hallo Echo-Wiskey

Flug-Navigation ohne Funk-Navigation ist heute kaum noch denkbar, dazu sind die vielen VORs und NDBs viel zu luxuriös. Da die July-Tango damit aber – mangels entsprechender Empfangsgeräte – nichts anfangen kann, kam jetzt der Wechsel zur Delta-Echo-Delta-Echo-Wiskey, einer Cessna 172R. Gefühlt ein Unterschied zwischen der Tin Lizzy und einem 2009′er Neuwagen.

Nach den obligatorischen “Platzrunden 2. Muster” und einigen Soloplatzrunden mit der Echo-Wiskey folgten weitere Überland – Sessions, die uns am 19.10.2009 bis kurz vor Berlin brachten.

Damit war die Überland – Ausbildung geschafft. Der nächste Flug sollte der Progress Check 2 sein, nach dem ich Solo Überland fliegen darf.

Simulator

PPL – Privat Pilot License – das bedeutet VFR (Visual Flight Rules), also reiner Sichtflug. Wolken sind böse und dürfen sich einem nicht nähern. Schade eigentlich, wenn die bösen Wolken so tief hängen, das man darunter nicht mehr fliegen kann (darf). Eben diese bösen Wolken zwangen mich in den nächsten zwei Wochen in den Instrumentenflug – Simulator.

Keine Sicht nach Außen, nur Instrumente – hört sich vielleicht einfach an, die IFR – Berechtigung um damit zu fliegen erfordert aber eine eigene Ausbildung, die länger als die PPL – Ausbildung ist. Trotzdem gehören einige Instrumentenflug – Übungen mittlerweile zur PPL – Ausbildung.

Alles hätte so schön laufen können, wenn mein Lehrer seine Schüler nicht immer weiter fordern würde. Nachdem der PPL – Stoff geschafft, aber noch Simulatorzeit übrig war, wurde ich mit Problemen konfrontiert, die zur IFR-Ausbildung gehören. Erfahren hab ich das allerdings erst nach der Simulator – Session und nachdem ich zwei (simulierte) Flugzeuge tief in den Boden gebohrt hatte. Hat aber trotzdem Spaß gemacht!

Progress Check 2

Am 6.11.2009 war das Wetter wieder fliegbar, wenn auch nicht schön. Egal, endlich Progress Check 2. Den Flug als Reinfall zu betrachten, wäre glatt untertrieben, es war eine einzige Katastrophe. Zwei Wochen nicht im Flugzeug zu sitzen hatten ihre Spuren hinterlassen. Nach einer Stunde und 24 Minuten Irrflug (zumindest für mich) und einigen Fehlern, die ich selbst beim ersten Überland – Flug noch nicht mal gemacht hatte, war der Traum vom Überland-Solo geplatzt. Wie kann man in nur zwei Wochen so viel verlernen?

Eine Lehre hab ich aus diesem Flug gezogen: In der ersten Zeit nach der Prüfung gehts mindestens alle zwei Wochen in die Luft, egal wie. Ich will nicht hart am Rand der PPL-Limits fliegen, sondern das Flugzeug immer sauber im Griff haben, vor allem mit Familie oder anderen Passagieren an Bord – und das geht nur mit Training.

Zurück auf die Schulbank

Der erste Nachsitz – Flug fing gleich gut an: Nach dem ersten Checkpoint zwangen uns tiefe Wolken zur Umkehr. Wir haben die Stunde trotzdem noch voll gemacht, mit dem Nienburg VOR Funknavigation geübt und mit der ICAO-Karte terrestrisch navigiert. Trotzdem habe ich viel von diesem Flug mitgenommen: Ich hatte die Maschine wieder im Griff, Zeit für Navigation blieb auch noch genug und das die Wegpunkte spontan von der Karte gewählt waren und nicht aus der Flugplanung stammten war auch nicht weiter schlimm.

Der dritte Flug, am 16.11.2009, lässt sich mit einem Wort beschreiben: Perfekt. Alle Checkpunkte gefunden, immer auf der Karte verfolgt wo wir waren und dabei sogar die Höhenabweichungen der CPL – Prüfung eingehalten. CPL, das ist die Berufspilotenlizenz, die Limits liegen bei 1/3 der PPL – Werte! Landeanflug, Landung – optimal.

Progress Check 2, Versuch 2

Einen Tag später, am 17.11.2009, wurde der zweite Versuch eingeschoben. Gleicher Lehrer wie beim ersten Mal, aber diesmal ein Bilderbuchflug. Nicht ganz so schön wie am Vortag, aber genauso klar wie der erste vermasselt war, war dieser Versuch bestanden. Das einzige, worüber sich mein Check – Lehrer (hauptberuflich Tower-Lotse) an diesem Tag aufgeregt hat, waren die kleinen Fehler seiner Kollegin auf dem Hannoveraner Tower.

Rückblick: PPL Ausbildung (Teil 1)

Sunday, December 13th, 2009

Das war’s also…

Vor mehr als 13 Monaten beschloss ich aus einer Wochenendlaune heraus, mich mit dem Thema “Pilotenschein” auseinanderzusetzen (dazu bei Gelegenheit vielleicht mehr).

Nach einem halben Jahr theoretischer Ausbildung, 60 Flugstunden und über 200 Landungen hat mein Lehrer keine Lust mehr, weiter mit mir zu fliegen. Übersetzt heißt das: Prüfungsreif!

Aber der Reihe nach…

24.5.2009 9:48 UTC

Nach einigen Rollübungen – endlich der erste Start. Die Theorie ist fast geschafft, das Wetter spielt auch mit und es geht los. D-EOJT (Delta-Echo-Oskar-Juliett-Tango), eine alte Cessna 150 mit mehr Landungen als mancher Berufspilot ist “mein” erstes Flugzeug. Klar gehört sie der Flugschule, aber sie wird mich durch die halbe Ausbildung bringen.

Nach den obligatorischen Einweisungsflügen, Airwork und Langsamflug (als Vorbereitung auf die Landung) geht es in die Tretmühle: Platzrunden.

Die Platzrunde

Vollgas, Drehzahl- und Geschwindigkeits-Checks, Rotieren (Abheben) bei 60, Steigen mit 80, in 500 ft. über Grund After-Takeoff-Checkliste, Luftraum-Check, abdrehen, kurz vor 1200 ft. MSL Level-Off, in den Gegenanflug drehen (die Reihenfolge der letzten Beiden ist natürlich wetterabhängig), einen kleinen Moment verschnaufen, Blick zur Piste, Geschwindigkeit kontrollieren, Vergaservorwärmung warm, Klappen 10″, 90 MPH trimmen, Position an Tower funken, Landefreigabe bestätigen, Queranflug, 20″ Klappen, gegentrimmen, 80 MPH, ein Auge auf Fahrtmesser, eines auf der Landebahnschwelle, eindrehen in Endanflug, Final-Checkliste vergessen, ggf. 30″ Klappen, 70 MPH halten, Abfangen, Aufsetzen, Klappen rein, Vergaservorwärmung kalt, Vollgas, das Ganze wieder von Vorne.

Das Training am Verkehrsflughafen hat Vor- und Nachteile: Eine unendlich lange und breite Bahn (3,8km für ein Flugzeug, das mit weniger als 500m zufrieden ist) bietet sehr großzügige Toleranzen, aber im heiligen kontrollierten Luftraum muss alles – einschließlich Funkverkehr – passen und da der Tower einen immer je nach Verkehrslage den Anflug verkürzen oder verlängern lässt oder eine andere Bahn zuweist, sind Hilfsmittel wie “am dritten Baum von links in den Gegenanflug” nicht möglich.

Damit werden die Platzrunden zum Kaugummiteil der Ausbildung. In dieser Phase traten tatsächlich “nicht-schonwieder-Gedanken” auf, wenn es an den nächsten Flugtermin ging.

Nach fast 20 Flugstunden und 114 Landungen war der erste Abschnitt geschafft:

Progress Check 1

Am 7.8.2009 war es soweit: Der erste Checkflug. Es sollten 5 Landungen in 50 Minuten werden, in denen sich mein “Kein-Problem”-Gefühl zu einem “Du-brauchst-noch-100-Stunden”-Gefühl änderte. Progress Check bedeutet: Anderer Lehrer checkt die Flugleistung, aber in diesem Fall einer, der mit der erlernten Platzrunde gar nicht einverstanden war. Jeder einzelne Schritt wurde kritisiert und sollte anders gemacht werden – zumindest kam es mir so vor.


Um so größer war die Überraschung, als ich dann doch “Solo” los durfte: 3 Platzrunden ohne Lehrer! Ein Gefühl, das sich nicht beschreiben lässt.