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Rückblick: PPL Ausbildung (Teil 3)

Sunday, December 13th, 2009

Mit dem erfolgreichen Progress Check 2 endete der zweite Teil der Ausbildung. Drei Ziele stehen jetzt noch vor der Prüfung: Überland PIC-Zeit (Pilot in Command, Soloflüge in der Ausbildung), Dreiecksflug und Prüfungsvorbereitung

Solo Überland

Der erste Solo-Überlandflug fand am 20.11.2009 bei traumhaftem Wetter statt. Die Route führte mich südlich von Hannover über Hildesheim und Porta Westfalica zurück nach Hannover. Genau wie der folgende Flug nördlich von Hannover lief alles glatt und ich war nach ca. 65 Minuten wieder zurück.

Dreiecksflug

Wie jetzt, das große Dreieck, ich, jetzt schon? So wie sich die Platzrunden endlos angefühlt hatten, schien der letzte Teil wie im Fluge vergangen zu sein. Am Anfang der Ausbildung kommt einem der große Dreiecksflug – immerhin drei Stunden am Stück Solo mit zwei Zwischenlandungen – wie ein ganz großes Abenteuer vor und jetzt war er da.

Der 3.12.2009 passte perfekt, ein Herbsttag mit ganztägig stabilem Wetter. Exakt um 10:05 Uhr UTC startete ich in Hannover um via Celle und das Brünkendorf VOR zu meinem ersten Zwischenstopp nach Kyritz zu fliegen. Der Flug verlief genau so problemlos wie die vorherigen. In Kyritz war ein anderer Flugschüler – beim Platzrunden fliegen.

Ich flog in den Gegenanflug ein und folgte ihm in der Platzrunde, die er sehr tief flog. Ich blieb höher, auch weil meine Echo-Wiskey bei dem relativ kalten Wetter nicht so gut sinken wollte wie bei wärmeren Temperaturen. Seine Maschine war kleiner und langsamer, so das ich mehr aufholte, als mir lieb war, auch wenn immer noch mehr als genug Platz zwischen uns blieb.

Mein Anflug wurde zu hoch, aber ich setze ihn fort, auch um ihm einen Vorsprung zu lassen und erst über der Bahn – aber noch in ausreichender Höhe – wurde durchgestartet: Vollgas, Klappen stufenweise einfahren, steigen. Das Manöver hatte mir ein Gefühl für den Anflug und dem anderen Schüler genug Vorsprung zu geben. Der nächste Anflug verlief problemlos und endete in einer relativ sauberen Landung.

Der nächste Teil führte mich über die Flugplätze Brandenburg und Magdeburg nach Dessau. Auch hier wurde der erste Anflug zu hoch und der zweite Versuch klappte. Ein schöner Platz – aus Schülersicht – da die Platzrunde anhand von Industrie und einer – vermutlich – ehemaligen Mülldeponie die mittlerweile bepflanzt wurde sehr schön zu finden ist. Ein bisschen nachtanken – auch wenn die Planung noch für den doppelten Heimweg gereicht hätte, aber sicher ist sicher und schließlich musste die zwei Tage vorher fertiggestellte neue Tankstelle ausprobiert werden. Danke nochmal für die freundliche Abfertigung.

Der Rückflug nach Hannover führte mich über Cochstedt und das VOR Helingen zurück nach Hannover. Entgegen der Erwartung war ich nicht “geschafft”, sondern noch fit und alles lief problemlos. Nur einmal – kurz hinter Braunschweig – pustete mir eine Industrieanlage kleine Wölkchen aus ihrem Schornstein in den Weg.

Zurück in Hannover wurde der Barograph ausgewertet, der auf der ganzen Strecke meine Höhen aufgezeichnet hatte. Mein Lehrer unterstellte mir die Nutzung des Autopiloten, den ich auf dem ganzen Flug nicht angerührt hatte – ein schönes Kompliment.

Prüfungsvorbereitung

Als nächstes stand eine Bestandsaufnahme an: Ein Flug mit zwei Checkpunkten, bei denen allerdings sowieso nicht damit zu rechnen war, diese auch alle zu erreichen. Im Prüfungsflug unterbricht der Prüfer den Flugplan normalerweise mit Airwork- und Notfallübungen und so war es auch hier: Kurz vor dem ersten Checkpoint Celle Langsamflug, Steilkurven, Stall-Übungen und ein paar andere Gemeinheiten. Zurückfinden auf die Strecke und auf dem Weg nach Hildesheim rechts abbiegen und zurück nach Hannover. Ziellandungen und Platzrunden und pünktlich um 15:46 – genau 30 Minuten nach Sonnenuntergang und damit zum letztmöglichen erlaubten Zeitpunkt Abschlusslandung.

Eigentlich wollten wir jetzt besprechen, was ich zur Prüfung noch an Airwork & Co. lernen muss, aber stattdessen gab’s sofort die Freigabe zum Progress Check 3 – die Ausbildung war fast zu Ende.

Progress Check 3

Am 9.12.2009 pünktlich um 9:00 mit fertiger Flugplanung in der Flugschule sein – das war die Vorgabe. Natürlich nur, sofern das Wetter passt.

Erster Check kurz nach 7:00 – Sicht 8km, Wolken ok. Flugplanung fertig und los.

8:53, schon auf dem Flughafengelände kurz vor der Schule klingelt das Telefon – abgesagt wegen schlechtem Wetter.

Mein Lehrer, der mich hauptsächlich ausgebildet hatte, war ein paar Minuten nach mir in der Schule. Er hatte den gleichen Wetterbericht gelesen war sich aber sicher, das der Nebel binnen ein oder anderthalb Stunden abziehen würde. Ich hatte die gleiche Vermutung und wir hatten Recht. Der Lehrer, der die Ausbildung macht, darf keinen Progress Check abnehmen und ein anderer war nicht verfügbar.

Nachmittags kam der Ausbildungsleiter unerwartet doch noch in die Schule – und ich kam doch noch zu meinem Progress check. Es sollte ein ruhier Flug werden und nach ein bisschen Airwork, einer Stallübung im Sinkflug zurück zum Flughafen und einer Punktlandung (”wir stellen uns jetzt vor, die Nordbahn wäre 500m lang” – immerhin 80m mehr als Minimum nach Flughandbuch) meinte er nur: “Ich merke gleich, ob einer fliegen kann.”

Bestanden und mit einer guten Portion Selbstvertrauen ausgestattet warte ich jetzt auf meinen Prüfungstermin.

Gefühlt bestand die Ausbildung zu 90% aus Platzrunden, 7% aus Überlandübungen und 3% Überland-Solo. Vor allem die Zeit seit dem Dreiecksflug kommt mir so wahnsinnig kurz vor.


Jetzt hoffe ich also auf eine schnelle Bearbeitung der Prüfungs-Fertigmeldung und passendes Wetter für einen schönen, erfolgreichen Prüfungsflug…

Rückblick: PPL Ausbildung (Teil 2)

Sunday, December 13th, 2009

Tschüss Hannover

Die neu erworbene Soloberechtigung muss natürlich erstmal ausgiebig genutzt werden – laut Ausbildungsplan ca. 1,5 Stunden in der Platzrunde des Heimatflughafens, aber dann locken andere Plätze.

Peine und Hildesheim bieten sich von Hannover aus an – beide Plätze haben eine (für nicht-Verkehrsflughäfen) relativ lange Landebahn, allerdings auch nicht die gewohnte 5-Minuten-Platzrunde. Anstatt Landeübungen zu machen, fliegt man bis zu 15 Minuten durch die Gegend um wieder aufsetzen zu können.

Jetzt aber wirklich

Von Hannover aus Peine oder Hildesheim zu verfehlen, ist fast unmöglich. Entweder die A7 nach Hildesheim oder die Eisenbahn von Echo-1 nach Norden führen einen in wenigen Minuten zum Platz.

Viel aufregender war dagegen der erste wirkliche Überland – Flug: Am 7.9.2009 ging es eine Stunde durch Norddeutschland. Immer noch mit der July-Tango, die über keinerlei Navigationshilfen verfügt (den klassischen Kompass ausgenommen). Trotzdem haben wir alles gefunden und sind heile nach Hannover zurückgekehrt.

Bye Bye July-Tango, Hallo Echo-Wiskey

Flug-Navigation ohne Funk-Navigation ist heute kaum noch denkbar, dazu sind die vielen VORs und NDBs viel zu luxuriös. Da die July-Tango damit aber – mangels entsprechender Empfangsgeräte – nichts anfangen kann, kam jetzt der Wechsel zur Delta-Echo-Delta-Echo-Wiskey, einer Cessna 172R. Gefühlt ein Unterschied zwischen der Tin Lizzy und einem 2009′er Neuwagen.

Nach den obligatorischen “Platzrunden 2. Muster” und einigen Soloplatzrunden mit der Echo-Wiskey folgten weitere Überland – Sessions, die uns am 19.10.2009 bis kurz vor Berlin brachten.

Damit war die Überland – Ausbildung geschafft. Der nächste Flug sollte der Progress Check 2 sein, nach dem ich Solo Überland fliegen darf.

Simulator

PPL – Privat Pilot License – das bedeutet VFR (Visual Flight Rules), also reiner Sichtflug. Wolken sind böse und dürfen sich einem nicht nähern. Schade eigentlich, wenn die bösen Wolken so tief hängen, das man darunter nicht mehr fliegen kann (darf). Eben diese bösen Wolken zwangen mich in den nächsten zwei Wochen in den Instrumentenflug – Simulator.

Keine Sicht nach Außen, nur Instrumente – hört sich vielleicht einfach an, die IFR – Berechtigung um damit zu fliegen erfordert aber eine eigene Ausbildung, die länger als die PPL – Ausbildung ist. Trotzdem gehören einige Instrumentenflug – Übungen mittlerweile zur PPL – Ausbildung.

Alles hätte so schön laufen können, wenn mein Lehrer seine Schüler nicht immer weiter fordern würde. Nachdem der PPL – Stoff geschafft, aber noch Simulatorzeit übrig war, wurde ich mit Problemen konfrontiert, die zur IFR-Ausbildung gehören. Erfahren hab ich das allerdings erst nach der Simulator – Session und nachdem ich zwei (simulierte) Flugzeuge tief in den Boden gebohrt hatte. Hat aber trotzdem Spaß gemacht!

Progress Check 2

Am 6.11.2009 war das Wetter wieder fliegbar, wenn auch nicht schön. Egal, endlich Progress Check 2. Den Flug als Reinfall zu betrachten, wäre glatt untertrieben, es war eine einzige Katastrophe. Zwei Wochen nicht im Flugzeug zu sitzen hatten ihre Spuren hinterlassen. Nach einer Stunde und 24 Minuten Irrflug (zumindest für mich) und einigen Fehlern, die ich selbst beim ersten Überland – Flug noch nicht mal gemacht hatte, war der Traum vom Überland-Solo geplatzt. Wie kann man in nur zwei Wochen so viel verlernen?

Eine Lehre hab ich aus diesem Flug gezogen: In der ersten Zeit nach der Prüfung gehts mindestens alle zwei Wochen in die Luft, egal wie. Ich will nicht hart am Rand der PPL-Limits fliegen, sondern das Flugzeug immer sauber im Griff haben, vor allem mit Familie oder anderen Passagieren an Bord – und das geht nur mit Training.

Zurück auf die Schulbank

Der erste Nachsitz – Flug fing gleich gut an: Nach dem ersten Checkpoint zwangen uns tiefe Wolken zur Umkehr. Wir haben die Stunde trotzdem noch voll gemacht, mit dem Nienburg VOR Funknavigation geübt und mit der ICAO-Karte terrestrisch navigiert. Trotzdem habe ich viel von diesem Flug mitgenommen: Ich hatte die Maschine wieder im Griff, Zeit für Navigation blieb auch noch genug und das die Wegpunkte spontan von der Karte gewählt waren und nicht aus der Flugplanung stammten war auch nicht weiter schlimm.

Der dritte Flug, am 16.11.2009, lässt sich mit einem Wort beschreiben: Perfekt. Alle Checkpunkte gefunden, immer auf der Karte verfolgt wo wir waren und dabei sogar die Höhenabweichungen der CPL – Prüfung eingehalten. CPL, das ist die Berufspilotenlizenz, die Limits liegen bei 1/3 der PPL – Werte! Landeanflug, Landung – optimal.

Progress Check 2, Versuch 2

Einen Tag später, am 17.11.2009, wurde der zweite Versuch eingeschoben. Gleicher Lehrer wie beim ersten Mal, aber diesmal ein Bilderbuchflug. Nicht ganz so schön wie am Vortag, aber genauso klar wie der erste vermasselt war, war dieser Versuch bestanden. Das einzige, worüber sich mein Check – Lehrer (hauptberuflich Tower-Lotse) an diesem Tag aufgeregt hat, waren die kleinen Fehler seiner Kollegin auf dem Hannoveraner Tower.

Rückblick: PPL Ausbildung (Teil 1)

Sunday, December 13th, 2009

Das war’s also…

Vor mehr als 13 Monaten beschloss ich aus einer Wochenendlaune heraus, mich mit dem Thema “Pilotenschein” auseinanderzusetzen (dazu bei Gelegenheit vielleicht mehr).

Nach einem halben Jahr theoretischer Ausbildung, 60 Flugstunden und über 200 Landungen hat mein Lehrer keine Lust mehr, weiter mit mir zu fliegen. Übersetzt heißt das: Prüfungsreif!

Aber der Reihe nach…

24.5.2009 9:48 UTC

Nach einigen Rollübungen – endlich der erste Start. Die Theorie ist fast geschafft, das Wetter spielt auch mit und es geht los. D-EOJT (Delta-Echo-Oskar-Juliett-Tango), eine alte Cessna 150 mit mehr Landungen als mancher Berufspilot ist “mein” erstes Flugzeug. Klar gehört sie der Flugschule, aber sie wird mich durch die halbe Ausbildung bringen.

Nach den obligatorischen Einweisungsflügen, Airwork und Langsamflug (als Vorbereitung auf die Landung) geht es in die Tretmühle: Platzrunden.

Die Platzrunde

Vollgas, Drehzahl- und Geschwindigkeits-Checks, Rotieren (Abheben) bei 60, Steigen mit 80, in 500 ft. über Grund After-Takeoff-Checkliste, Luftraum-Check, abdrehen, kurz vor 1200 ft. MSL Level-Off, in den Gegenanflug drehen (die Reihenfolge der letzten Beiden ist natürlich wetterabhängig), einen kleinen Moment verschnaufen, Blick zur Piste, Geschwindigkeit kontrollieren, Vergaservorwärmung warm, Klappen 10″, 90 MPH trimmen, Position an Tower funken, Landefreigabe bestätigen, Queranflug, 20″ Klappen, gegentrimmen, 80 MPH, ein Auge auf Fahrtmesser, eines auf der Landebahnschwelle, eindrehen in Endanflug, Final-Checkliste vergessen, ggf. 30″ Klappen, 70 MPH halten, Abfangen, Aufsetzen, Klappen rein, Vergaservorwärmung kalt, Vollgas, das Ganze wieder von Vorne.

Das Training am Verkehrsflughafen hat Vor- und Nachteile: Eine unendlich lange und breite Bahn (3,8km für ein Flugzeug, das mit weniger als 500m zufrieden ist) bietet sehr großzügige Toleranzen, aber im heiligen kontrollierten Luftraum muss alles – einschließlich Funkverkehr – passen und da der Tower einen immer je nach Verkehrslage den Anflug verkürzen oder verlängern lässt oder eine andere Bahn zuweist, sind Hilfsmittel wie “am dritten Baum von links in den Gegenanflug” nicht möglich.

Damit werden die Platzrunden zum Kaugummiteil der Ausbildung. In dieser Phase traten tatsächlich “nicht-schonwieder-Gedanken” auf, wenn es an den nächsten Flugtermin ging.

Nach fast 20 Flugstunden und 114 Landungen war der erste Abschnitt geschafft:

Progress Check 1

Am 7.8.2009 war es soweit: Der erste Checkflug. Es sollten 5 Landungen in 50 Minuten werden, in denen sich mein “Kein-Problem”-Gefühl zu einem “Du-brauchst-noch-100-Stunden”-Gefühl änderte. Progress Check bedeutet: Anderer Lehrer checkt die Flugleistung, aber in diesem Fall einer, der mit der erlernten Platzrunde gar nicht einverstanden war. Jeder einzelne Schritt wurde kritisiert und sollte anders gemacht werden – zumindest kam es mir so vor.


Um so größer war die Überraschung, als ich dann doch “Solo” los durfte: 3 Platzrunden ohne Lehrer! Ein Gefühl, das sich nicht beschreiben lässt.